Es kann sinnvoll sein, bereits jetzt zu prüfen, ob die Grobfuttervorräte in diesem Jahr voraussichtlich ausreichen werden oder ob eine Aufstockung erforderlich ist.
Zur Orientierung: Eine Milchkuh benötigt mindestens 20 bis 25 m³ Grobfuttersilage im Jahr, abhängig vom Weideanteil. Je Jungtier sollte mit mindestens 10 m³ Grobfuttersilage gerechnet werden. Die Mengen der Folgeaufwüchse lassen sich derzeit nur grob abschätzen. Jetzt steht die Entscheidung an, zusätzlich Getreidebestände zu silieren, um mehr Versorgungssicherheit zu bekommen. Gerade bei der regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsverteilung kann Grüngetreide oder GPS eine Möglichkeit sein, Futtermangel vorzubeugen.
Grüngetreide/GPS: Geeignete Getreidearten
Für die Grüngetreide-/GPS-Ernte eignen sich grundsätzlich alle Getreidearten, besonders aber der blattreiche Hafer. Roggen bringt auch unter trockenen Bedingungen gute Masseaufwüchse. Wintergerste ist meist die erste Kultur, die für GPS nicht mehr geeignet ist, da Korn und Stroh schnell abreifen. Interessant kann jedoch die besonders frühe Räumung der Kultur sein, die mehr Zeit für den Nachbau lässt.
Optimaler Erntezeitpunkt: Eher früher als zu spät
GPS: Der optimale Erntezeitpunkt liegt im Stadium der Teigreife, etwa zwei bis drei Wochen vor der Druschreife. Praxisregel: Lieber etwas früher (Ender Milchreife) ernten, als zu spät. Ideal ist die Ernte mit einem Feldhäcksler/Direktschneidwerk, um zu gewährleisten, dass Korn und Stroh gut verdaut und siliert werden können, denn:
- Körner müssen angeschlagen sein, um Energieverluste bei der Verdauung zu vermeiden.
- Stroh muss zerfasert werden, insbesondere in Längsrichtung, um Selektion am Futtertisch zu verhindern und Verdichtung im Silo zu gewährleisten.
Für einen guten Silierverlauf sollte zudem ein TS-Gehalt von unter 35 % angestrebt werden. Das Silo sollte möglichst 90 Tage geschlossen bleiben. Aufgrund der Hohlräume in den Halmen wird insbesondere aufgrund der schwierigen Verdichtung der Einsatz eines Siliermittels empfohlen. So kann das Risiko von Nacherwärmungsverlusten weiter reduziert werden. Klaus Hünting empfiehlt hierfür eine Kombination aus homo- und heterofermentativen Siliermitteln. Einerseits wird dadurch (homofermentativ) der Silierprozess durch ein schnelles Absinken des pH-Werts gefördert und andererseits (heterofermentativ) die aerobe Stabilität während der Verfütterung verbessert.
Wird GPS gemeinsam mit dem zweiten Schnitt siliert, sollte bei trockener GPS eher feuchtere Grassilage mit weniger als 35 % TS eingesetzt werden, die Grassilage sollte über die GPS geschichtet werden. So kann die Feuchtigkeit einsickern und die Verdichtung zusätzlich verbessern.
Besonderheit Bio-GPS
Besonders im ökologischen Landbau schreitet die Abreife häufig schneller voran, da die geringere Stickstoffdüngung das Stroh schneller altern lässt. Bio-GPS sollte daher keinesfalls später geerntet werden als konventionelle Bestände. Sobald Stroh und Korn zu weit entwickelt sind, ist eine wirtschaftliche GPS-Nutzung nicht mehr sinnvoll. In diesen Fällen ist eher ein Drusch des Getreides angeraten. In Situationen größten Futtermangels, in denen auch ein Zukauf kaum möglich ist, kann das Korn gedroschen und eingelagert oder als Feuchtgetreide gemahlen, konserviert und im Silo oder Schlauch gelagert werden. Anschließend kann das vorhandene Futter durch Stroh und Getreide ergänzt werden.
Ernte von Grüngetreide
Wenn die Häckseltechnik nicht verfügbar ist oder in Rundballen gepresst wird, sollte früher geerntet werden. Die Ernte vor dem Ährenschieben führt zu mehr Protein, mehr Zucker und einer früheren Flächenräumung. Eine frühe Flächenräumung ermöglicht dann gegebenenfalls noch eine späte Maisaussaat oder den Nachbau von Kleegras, sofern ausreichende Niederschlagsmengen auftreten. Zu diesem Zeitpunkt sind das Schneiden, Wenden und Schwaden mit der Grünlandtechnik problemlos möglich. Wichtig ist der Einsatz von vollen Messersätzen in der Rundballenpresse oder dem Ladewagen mit möglichst mehr als 20 Messern, um Selektion am Futtertisch zu vermeiden.
ELAN im Blick!
Bei der Ernte von Grüngetreide oder GPS sollte die eventuell nötige Anpassung im ELAN-Antrag nicht vergessen werden. Als Hauptkultur muss die Kultur angegeben werden, die zwischen dem 1. Juni und 15. Juli die längste Standzeit in Tagen auf der Fläche hat. Achten Sie auch auf die Einhaltung des Fruchtwechsels und der Flächenanteile, falls weitere Förderungen in Anspruch genommen werden.
Ertrag und Futterwert von GPS und Grüngetreide
Eine grobe Abschätzung des GPS-Trockenmasseertrags je Hektar kann über folgende Faustzahl erfolgen:
Kornertrag × 85 % TS × 2 Beispiel: 35 dt/ha Kornertrag × 85 % TS × 2 = ca. 60 dt TM/ha
Damit lassen sich durchaus mit Kleegras oder Grünland vergleichbare Trockenmasseerträge erzielen. Besonders in Jahren mit knapper Grundfutterversorgung kann GPS daher eine interessante Ergänzung im Futterbau darstellen.
Ein wesentlicher Vorteil von GPS liegt in seiner Flexibilität. Betriebe können Anfang Juni anhand der Erträge des ersten Schnittes sowie der weiteren Witterungsentwicklung abschätzen, ob ausreichende Grundfuttervorräte vorhanden sind. Vor allem in Trockenjahren kann GPS helfen, drohende Futterlücken frühzeitig zu schließen. In bestimmten Situationen kann es zudem sinnvoll sein, Getreide bereits vor dem Ährenschieben als Grüngetreide zu häckseln und anschließend noch einen frühen beziehungsweise schnell abreifenden Silomais anzubauen.
Futterwertuntersuchungen in Haus Riswick
Im Versuchs- und Bildungszentrum Haus Riswick wurden insbesondere in den Jahren 2013 bis 2020 Grüngetreide und Getreideganzpflanzensilage (GPS) in Verdaulichkeitsversuchen mit Hammeln untersucht. In den Futterwertprüfungen erhielten die Tiere über einen Zeitraum von drei Wochen das jeweilige zu prüfende Futter. Nach einer Anfütterungsphase wurden die Futteraufnahme und die Kotmengen auf Einzeltierbasis erfasst. Anschließend erfolgten die Analysen der Rohnährstoffgehalte, die Berechnung der Verdaulichkeiten sowie die Schätzung der Energiegehalte. Die Versuche zeigten, dass der Futterwert von GPS erheblichen Schwankungen unterliegt. Einflussfaktoren sind insbesondere die Getreideart, der Erntezeitpunkt, die Schnitthöhe sowie das Verhältnis von Korn zu Stroh.
Die Verdaulichkeit der organischen Masse liegt bei Grüngetreide mit rund 80 % auf einem hohen Niveau. Die Energiegehalte betrugen bei Wintergerste etwa 6,9 MJ NEL/kg TM und bei Winterweizen etwa 6,5 MJ NEL/kg TM. Bei GPS war die Verdaulichkeit der organischen Masse dagegen um etwa 10 Prozentpunkte geringer. Entsprechend ergaben sich niedrigere Energiegehalte von rund 6,1 MJ NEL/kg TM bei Winterweizen und Wintertriticale sowie von etwa 5,6 MJ NEL/kg TM bei Roggen.
In der Praxis weisen GPS-Silagen von Biobetrieben häufig lediglich Energiegehalte von etwa 5,1 bis 5,5 MJ NEL/kg TM auf. Damit liegen die Energiegehalte von GPS-Silagen deutlich unter denen von hochwertigen Gras- oder Maissilagen und eignen sich kaum als alleinige Hauptkomponente in leistungsstarken Milchviehrationen. Aufgrund des Kornanteils werden gut silierten GPS-Silagen jedoch meist gerne aufgenommen und sie können sinnvoll als ergänzende Struktur- und Grundfutterkomponente eingesetzt werden.
Schnittzeitpunkt und Schnitthöhe entscheidend
Wird GPS bei einer Stoppelhöhe von etwa 30 cm geerntet, kann ein vergleichsweise energiereiches Futter gewonnen werden. Geringere Stoppelhöhen erhöhen zwar den Ertrag, vermindern jedoch die Energiedichte deutlich. Wer höhere Energiegehalte erzielen möchte, sollte daher einen Hochschnitt anstreben. Wenn hingegen möglichst viel Masse geerntet werden soll, empfiehlt sich ein früherer Erntezeitpunkt.
Generell ist der passende Schnitttermin von großer Bedeutung, da mit fortschreitender Reife die Verdaulichkeit der Faser deutlich abnimmt. Diese liegt bei GPS mit rund 50 % wesentlich niedriger als bei Grüngetreide mit etwa 80 %. Gleichzeitig sinkt die Faserverdaulichkeit bei GPS mit zunehmendem Kornanteil, während die Verdaulichkeit der organischen Masse durch die hochverdauliche Stärke insgesamt ansteigt. Darauf weisen auch Daten der DLG-Futterwerttabelle hin. Bei der Verfütterung von GPS sind die höheren Korn- und Stärkegehalte insbesondere im Hinblick auf die Pansengesundheit zu berücksichtigen.
Eiweißversorgung beachten
Der Rohproteingehalt von GPS-Silage liegt – ähnlich wie bei Stroh oder Getreide – meist nur bei etwa 90 bis 100 g/kg TM. Dadurch ergibt sich häufig eine negative ruminale Stickstoffbilanz mit einem RNB von etwa -3 bis -5. Um eine stabile Pansenfunktion und gute Verdaulichkeit sicherzustellen, muss die Ration daher mit eiweißreichen Futtermitteln ergänzt werden. Geeignet sind insbesondere eiweißreiche Grassilagen oder Komponenten mit hohen Anteilen an pansenverfügbarem Protein, beispielsweise Ackerbohnen oder Lupinen. Dies gilt insbesondere dann, wenn in Trockenjahren zusätzlich größere Mengen Silomais in die Ration integriert werden. In solchen Situationen entstehen schnell sehr eiweißarme Mischrationen, deren bedarfsgerechte Eiweißergänzung wirtschaftlich anspruchsvoll werden kann.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert zudem die Silierung. Wie auch bei Silomais, treten in der Praxis immer wieder Probleme durch unzureichende Verdichtung oder ungünstige Trockenmassegehalte auf. Eine sorgfältige Ernte- und Siliertechnik bleibt daher entscheidend für die spätere Futterqualität.
Simon Tewes, Christoph Drerup, Tessa Alkemper, Landwirtschaftskammer NRW,
Hannes Michael, Bioland NRW